VW will E-Autos aus der Nische ins Volumen holen

Zahlreiche Modelle vor Start

VW will E-Autos aus der Nische ins Volumen holen

Konzern schickt nach ID.3 und ID.4 auch Stromer von Audi, Skoda und Seat ins Rennen.

Der elektrische Hoffnungsträger  ID.3  ist bei den ersten Kunden – nun will  Volkswagen  auch das Anschlussmodell  ID.4  so rasch wie möglich an den Start bringen. Der kompakte SUV ist der nächste Vertreter einer Reihe, die den Konzern in den kommenden Jahren neu ausrichten soll. Die neuen Stromer basieren auf dem eigens entwickelten elektrischen Baukasten MEB. Als Treiber der nicht ganz risikolosen Transformation gilt Konzernchef Herbert Diess (Bild).
 
 

ID.4 wird bereits produziert

Die Produktion des Elektro-SUV, der sich die Technik mit dem bereits vorgestellten Skoda  Enyaq  teilt, ist Ende August im Werk Zwickau  angelaufen . An dem sächsischen Standort wird seit November 2019 auch der ID.3 gefertigt. Der kompakte Stromer wird inzwischen verkauft, er liegt jedoch hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Wegen Problemen mit der Software-Ausstattung müssen die Kunden im Winter außerdem noch Updates nachladen, danach sollen alle Funktionen voll verfügbar sein ( wir berichteten ). Der ID.3 soll als " Golf " des E-Zeitalters eine wesentliche Funktion erfüllen. 
 
 

Aus der Nische ins Volumen

Beim ID.4 ist die offizielle Vorstellung noch für den September geplant. Aufgrund  eines Leaks  ist das Design aber bereits bekannt. Im vierten Quartal soll dann der Marktstart sein - es könnte möglicherweise auch Anfang 2021 werden, ist aus Konzernkreisen zu hören. Volkswagen will das Modell in Europa, China und später auch in Nordamerika bauen und verkaufen. Der Hochlauf des Elektro-SUVs solle "die E-Mobilität aus der Nische ins Volumen holen". Das Auto basiert wie der ID.3 auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB). Die Plattform soll einheitliche Technik für verschiedene Modelle liefern und durch die Verwendung gleicher Teile in großen Mengen zudem Kosten sparen.
 
 

Audi, Skoda und Seat/Cupra

In einer "ersten Welle" will der Volkswagen-Konzern 33 Mrd. Euro in den Ausbau des elektrischen Angebots auf mehr als 70 Modelle stecken, ein Drittel davon entfällt auf die Kernmarke. Neben dem VW ID.3, Audi  Q4 e-tron (Sportback)  und Porsche  Taycan  (basiert nicht auf dem MEB) gehören dazu künftig unter anderem der ID.4, der Elektro-Passat ID.  Vizzion Space , der Elektro-Bulli ID.Buzz, der Skoda Enyaq oder der  el-Born  von Seats Sport-Tochter Cupra. Bis 2024 sind etwa 35 Anläufe auf Basis des Elektro-Baukastens geplant. Bis 2025 soll bereits ein Fünftel aller Auslieferungen im Konzern auf batterieelektrische Modelle entfallen.
 
 

Zwickau als E-Zentrum

Das Zwickauer Werk spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Fabrik wird bis zum Ende dieses Jahres auf ausschließliche Fertigung von E-Autos umgestellt, viele Beschäftigte wurden umgeschult und bildeten sich fort. Nach und nach kommen weitere Standorte dazu, von 2022 an Emden und Hannover. Auch in den USA und in China ist eine ID.4-Fertigung geplant. Die CO2-Bilanz der reinen E-Fahrzeuge soll neutral sein.
 
 

Bremsklötze der E-Mobilität

Bis 2025 soll ein Fünftel der Auslieferungen auf E-Autos entfallen. Laut Brandstätter gibt es "intensive Diskussionen" über kleine ID-Ableger. Ein Hemmschuh ist neben dem hohen Preis und der geringen Reichweite vieler bisheriger E-Autos vor allem die löchrige Ladeinfrastruktur. E-Mobilitäts-Vorstand Thomas Ulbrich gab sich optimistisch, dass das Bau- und Mietrecht bald Erleichterungen etwa für die Montage von Ladeboxen enthält. Der Bundestag komme hier voran. "Damit kommt für Millionen Mieter und Wohnungseigentümer die Wallbox näher. Diese Regelung wird den Wechsel auf das E-Auto deutlich beschleunigen." In Österreich ist eine  ähnliche Erleichterung geplant .
 

Reaktion auf Kritik am ID.3

Für das Laden unterwegs bietet VW den Service We Charge, für längere Autobahnstrecken ist der Konzern am Konsortium Ionity beteiligt. Zur Kritik an der Verarbeitung, den billigen Materialien im Innenraum und Onlinemängeln in Tests des ID.3 meinte Ulbrich: "Wir prüfen das sehr genau." Software-Verzögerungen würden aufgefangen. "Das erste Update kommt noch zum Ende des Jahres."


 

 
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